Fasten - Mensch werde wesentlich

Gedanken über eine besondere Zeit von Roger Brandes

Ein Abwenden von unserer luxuriösen Wurschtigkeit und die Zuwendung zum Wesentlichen ist das wahre Wesen des Überflusses.

Fasten. Eine ergreifende, erfüllende innere Ruhe - wenn kein Fernseher blöd dröhnt, kein Event schreit, keine Ablenkung und kein sinn- und gefühlsentleertes Designobjekt uns umgibt - führt zu etwas wirklich Besonderem: einer Liaison mit uns selbst. Keine Kulisse, keine Hohlheit und kein Sicherungsseil.
Diese “bilanzierte Nahrungskarenz” hat nichts mit Hungern zu tun und ist keine Diät. Es ist ein körperliches Erlebnis der außerordentlichen kreativen Fähigkeiten des Menschen. Ein Überfluss an Begegnungen mit sich selbst - ein anderes Selbstbewusstsein. Der spannende Zweifel: Schaffe ich das? - ist ein produktiver Zweifel und ein neues tastendes Denken in Möglichkeiten. Ein Erkennen von Sinnen. Nicht nur Geschmack, auch Sensibilität für uns und unsere Umwelt, für Kunst und Literatur wird intensiver.
“Manches hält man nur aus, wenn man sich auf dem Rückweg befindet” ist eine Erfahrung, die der Fastende auch lange nach der Fastenzeit noch mit sich trägt. Das Unterscheiden von Dingen, die ich brauche, von denen, die man braucht. Es geht nicht ums Haben oder Bekommen, sondern um den Gebrauch, das Nutzen und Erarbeiten der eigenen Energie. Und man ist ein anderer als der, der man war…
Siehe auch unter Heilfasten

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